Archivare ohne Archivgut

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Als während des ersten Lockdowns im Frühjahr kurzfristig die Entscheidung getroffen wurde, dass das Landeskirchliche Archiv seine Türen für Benutzende und selbst für die Kolleginnen und Kollegen schließen würde, mussten wir uns relativ schnell entscheiden: Was können wir an archivischen Aufgaben erledigen, die keinen direkten Umgang mit dem Archivgut erfordern? Denn unbearbeitete Bestände mit einzigartigem Archivgut mit nach Hause nehmen: Das geht aus bestandserhalterischen Gründen nicht.

Jede/r von uns hat sich in der kurzen Vorbereitungszeit also schnell mit Literatur, Dateien und Geschäftsakten zum Bearbeiten versorgt, um im Home Office genügend beschäftigt zu sein. Wir haben Listen ausgelegt, in denen eingetragen wurde, was an Bibliotheksgut und Geschäftsakten entnommen und auch wann es später zurückgegeben wurde.

Die meisten von uns nutzten die Zeit für konzeptionelle Arbeit und so entstanden im Home Office u.a.

  • ein Konzept zur Öffentlichkeitsarbeit (auch dieser Blog wäre ohne die Corona-Krise wahrscheinlich erst später entstanden)
  • eine Bestandserhaltungsrichtlinie
  • ein Konzept zur Entwicklung von Archivierungsmodellen sowie erste Archivierungsmodelle
  • eine Arbeitshilfe zur Erschließung von Kirchengemeindearchiven

Ganz neu für uns waren auch Telefon- und Videokonferenzen. Der erste Versuch, alle Kolleg*innen zu einer gemeinsamen virtuellen Dienstbesprechung zusammenzurufen, scheiterte an multiplem Technikversagen von nicht funktionierenden Mikros bis hin zum Zusammenbrechen von Leitungen. Ein denkwürdiges Ereignis, das wir alle mit Humor nahmen. Mittlerweile aber fühlt es sich für uns schon fast so an, als hätten wir jahrelang nichts anderes gemacht als Videokonferenzen zu organisieren und durchzuführen.

Was wir leider nicht durch Videokonferenzen ersetzen konnten, waren unsere Tagungen und Veranstaltungen. Unsere nordkirchenweite Jahrestagung für die Archivarinnen und Archivare ist auf das Frühjahr 2021 verschoben worden. Ein Informations- und Anwendertreffen zur Archivsoftware mit dem Landeskirchlichen Archiv und den Kirchenkreisarchiven konnte nicht stattfinden und ist ebenfalls auf das Jahr 2021 vertagt worden. Leider konnten wir auch die geplanten Bewertungen und Übernahmen nicht durchführen, weil Dienstreisen und Besuche bei den Registraturbildnern für einen langen Zeitraum nicht möglich waren und immer noch nicht wieder möglich sind.

Dass Archivar*innen also in jeder Arbeitsstunde haptisch mit Archivgut zu tun haben, ist nicht immer so. Man kann sich mit dem Archivgut beschäftigen, ohne ins Magazin gehen zu müssen. Was aber fehlt, ist der vertraute Magazingeruch und das Gefühl „Heute habe ich Geschichte in der Hand.“ und wir sind alle froh, dass wir aktuell in einem Schichtmodell wieder mehrere Tage in der Woche im Landeskirchlichen Archiv arbeiten können. Außerdem nützen die besten im Homeoffice geschriebenen Konzepte nichts, wenn sie nicht in der Praxis umgesetzt werden können.

Wir hoffen, dass wir bald wieder zusammen mit allen Kolleg*innen und mit voller Kraft an der weiteren Umsetzung arbeiten können, Tagungen und Veranstaltungen stattfinden und wir vor allem auch wieder die Türen unserer Lesesäle öffnen dürfen! Etwas Geduld müssen wir aber vermutlich noch haben...

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