Mit dem Pferd durch die Wüste

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Heute ist Pastor Karl Schmaltz (1867-1940) vor allem als Kirchen- und Kunsthistoriker bekannt (u.a. für die "Kirchengeschichte Mecklenburgs", 3 Bde., 1935-1952). Dass er im Jahr 1918 eine viel beachtete und noch heute grundlegende Untersuchung zur Grabeskirche in Jerusalem vorlegte („Mater ecclesiarum. Die Grabeskirche in Jerusalem“), für die er 1919 sogar die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald erhielt, ist weniger bekannt.

Erste Untersuchungen hierzu hatte Schmaltz sieben Jahre zuvor vor Ort selbst unternommen. Für ein halbes Jahr von seiner Pfarrstelle an der Stadtkirche in Sternberg beurlaubt, hielt er sich von Januar bis Mai 1911 als Stipendiat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg-Schwerins an dem von dem bekannten Palästinaforscher Professor D. Dr. Gustaf Dalman (1855-1941) geleiteten Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes zu Jerusalem auf.

Von dort beteiligte er sich zusammen mit fünf weiteren Stipendiaten an einer Exkursion, die unter der Leitung des Institutsdirektors Prof. Dalman vom 24. bis zum 26. März auf Pferden durch die Judäische Wüste über Hebron nach En-Gedi am Westufer des Toten Meeres führte.

LKANK 11.02.03.01, Nr. 8 Judäische Wüste LKANK 11.02.03.01, Nr. 8 Hebron

Judäische Wüste und Blick auf die Stadt Hebron
Fotos aus: Landeskirchliches Archiv der Nordkirche, 11.02.03.01 Lichtbildersammlung Karl Schmaltz, Nr. 8

Zweck der Reise war es, unter Berücksichtigung der biblischen Erzählungen und des Berichts des Flavius Josephus über den Judäischen Krieg die historischen Stätten kennen zu lernen. Als leidenschaftlicher Fotograf begleitete Schmaltz die Reise mit seiner Kamera. Von seinen Palästinabildern haben sich 70 Glasdiapositive erhalten. Sie sind Teil seiner im Übrigen besonders für die Bau- und Kunstgeschichte wertvollen Lichtbildersammlung (1420 Bilder, vorwiegend Glasplatten), die heute im Landeskirchlichen Archiv Schwerin verwahrt wird. Seine Fotografien aus Palästina nutzte Schmaltz später zusammen mit seinem Bericht für Lichtbildervorträge. Schmaltz beschreibt darin das Hebrontal, den Ritt durch die Judäische Wüste, die Begegnung mit einem Beduinenstamm und die Trümmer von Masada.

LKANK 11.02.03.01 Nr. 28 Beduinenlager LKANK 11.02.03.01 Nr. 28 Kamelpflug

Beduinenlager und Kamelpflug
Foto aus: Landeskirchliches Archiv der Nordkirche, 11.02.03.01, Nr. 8 und 28

Im Anschluss an diese Exkursion trat Schmaltz eine ebenfalls unter der Leitung Dalmans stehende dreiwöchige Zeltreise an, die nach Norden über Samaria und den See Genezareth bis an den Hule-See führte. Auch hier galt das Interesse seiner Fotografie nicht nur den historischen Stätten, sondern gleichermaßen der Landschaft, ihren Bewohnern und deren Kultur. Hierin traf sich sein Interesse mit dem seines Lehrers Dalman, der später hierüber umfangreich publizierte (Arbeit und Sitte in Palästina, 8 Bde., 1928 ff).

LKANK 11.02.03.01, Nr. 28, Zeltlager See Genezareth LKANK 11.02.03.01, Nr. 28

Zeltlager am See Genezareth und Blick über den Hule-See
Fotos aus: Landeskirchliches Archiv der Nordkirche, 11.02.03.01, Nr. 28

Mehr Bilder der Reise könnt ihr übrigens im mecklenburgischen Archivportal Ariadne finden: https://ariadne-portal.uni-greifswald.de/?arc=5&stc=5-17331&cls=5-17331-292941-292954&l=1

Sofern nicht anders angegeben, gilt für alle Bilder in diesem Beitrag die Lizenz CC-BY-ND.

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